31 Juli, 2012

Steven Weinberg über gut und böse

Kürzlich hat sich ein bloggender Berufsreligiöser mit einer Äußerung des Nobelpreisträgers Steven Weinberg befasst, die wir hier mal nach Wikiquote zitieren:
"With or without religion, good people can behave well and bad people can do evil; but for good people to do evil — that takes religion."
Fazit sollte wohl sein, dass man Menschen, die Böses tun, zuzugestehen hat, böse Menschen zu sein (und eben nicht gute, die der Religion wegen Böses tun).
Da ist zunächst interessant, dass der Beruf nicht vor bösen Verdrehungen zu schützen scheint, denn obwohl Weinberg eben nicht sagt, dass Religion die einzige Möglichkeit sei, gute Menschen zu Bösem zu veranlassen, lesen wir diese religiös berufene Falschinterpretation:
"Wenn ein "guter" Mensch "Böses" tut, dann war da also Religion im Spiel."
Und: Gerade warnt Ban Ki Moon vor "religiös motiviertem Bürgerkrieg" in Syrien.
Nun fragt sich derBright als bloggender Laie: Sind all die religiösen Leute, die dort bös auf den Bürgerkrieg zusteuern, tatsächlich böse Menschen, oder könnte es nicht doch sein, dass da der eine oder andere gute Mensch durch seine Religion zu bösen Dingen getrieben wird?

2 Kommentare:

Stefan Wehmeier hat gesagt…

"Dummheit ist ein gefährlicherer Feind des Guten als Bosheit. (1943)
Gegen das Böse läßt sich protestieren, es läßt sich bloßstellen, es läßt sich notfalls mit Gewalt verhindern, das Böse trägt immer den Keim der Selbstzersetzung in sich, indem es mindestens ein Unbehagen im Menschen zurückläßt. Gegen die Dummheit sind wir wehrlos. Weder mit Protesten noch durch Gewalt läßt sich hier etwas ausrichten; Gründe verfangen nicht; Tatsachen, die dem eigenen Vorurteil widersprechen, brauchen einfach nicht geglaubt zu werden - in solchen Fällen wird der Dumme sogar kritisch -, und wenn sie unausweichlich sind, können sie einfach als nichtssagende Einzelfälle beiseitegeschoben werden. Dabei ist der Dumme im Unterschied zum Bösen restlos mit sich selbst zufrieden; ja, er wird sogar gefährlich, indem er leicht gereizt zum Angriff übergeht.
Daher ist dem Dummen gegenüber mehr Vorsicht geboten als gegenüber dem Bösen. Niemals werden wir mehr versuchen, den Dummen durch Gründe zu überzeugen; es ist sinnlos und gefährlich.
Um zu wissen, wie wir der Dummheit beikommen können, müssen wir ihr Wesen zu verstehen suchen. Soviel ist sicher, daß sie nicht wesentlich ein intellektueller, sondern ein menschlicher Defekt ist. Es gibt intellektuell außerordentlich bewegliche Menschen, die dumm sind, und intellektuell sehr Schwerfällige, die alles andere als dumm sind. Diese Entdeckung machen wir zu unserer Überraschung anläßlich bestimmter Situationen. Dabei gewinnt man weniger den Eindruck, daß die Dummheit ein angeborener Defekt ist, als daß unter bestimmten Umständen die Menschen dumm gemacht werden, bzw. sich dumm machen lassen. Wir beobachten weiterhin, daß abgeschlossen und einsam lebende Menschen diesen Defekt seltener zeigen als zur Gesellung neigende oder verurteilte Menschen und Menschengruppen.
…Daß der Dumme oft bockig ist, darf nicht darüber hinwegtäuschen, daß er nicht selbständig ist. Man spürt es geradezu im Gespräch mit ihm, daß man es gar nicht mit ihm selbst, mit ihm persönlich, sondern mit über ihn mächtig gewordenen Schlagworten, Parolen etc. zu tun hat. Er ist in einem Banne, er ist verblendet, er ist in seinem eigenen Wesen mißbraucht, mißhandelt. So zum willenlosen Instrument geworden, wird der Dumme auch zu allem Bösen fähig sein und zugleich unfähig, dies als Böses zu erkennen.
…Aber es ist gerade hier auch ganz deutlich, daß nicht ein Akt der Belehrung, sondern allein ein Akt der Befreiung die Dummheit überwinden könnte. Dabei wird man sich damit abfinden müssen, daß eine echte innere Befreiung in den allermeisten Fällen erst möglich wird, nachdem die äußere Befreiung vorangegangen ist; bis dahin werden wir auf alle Versuche, den Dummen zu überzeugen, verzichten müssen."

Als Theologe konnte Dietrich Bonhoeffer nicht wissen, dass die Ursache der Dummheit die Religion ist. Die Befreiung von der Religion nennt sich "Auferstehung":

http://opium-des-volkes.blogspot.de/2011/07/die-ruckkehr-ins-paradies.html

derBright hat gesagt…

@Stefan Wehmeier
Bonhoeffers Text über die Dummheit ist sehr schön; man könnte evtl. fragen, ob anstelle solch langen Zitats nicht auch ein Link zu finden gewesen wäre.
In Anlehnung an Descartes heißt es ja, dass der Herrgott nichts so gerecht verteilt hat, wie den Verstand, denn jeder glaubt, reichlich damit gesegnet zu sein. Für die anderen bittet man dann gern: "Herr, wirf Hirn vom Himmel".
Sicherlich gibt es Atheisten, dumm wie hundert Meter Feldweg, und sicherlich gibt es Theisten mit schwindelerregendem IQ. Umgekehrt bestimmt genau so. Nicht der IQ trennt Theisten und Atheisten. Man weiß nicht, was es ist. Könnte es sein, dass da tief in der Psyche verborgen eine Art "Schalter" ist, der dem einen erlaubt, die Wunder unserer Welt als natürlich erklärbar zu sehen, und der den anderen zwingt, sie als göttergegeben zu interpretieren?