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29 Oktober, 2011

Über Widersprüche in der Bibel

Das Buch "Jesus im Zerrspiegel" von Bart D. Ehrmann kann in einer Amazon-Rezension ein "Pf. i. R." "...für Europäische Leser nicht empfehlen." Der Rezensent schreibt schließlich: "Ich habe das Buch enttäuscht rasch aus der Hand gegeben." Ganz anders derBright, vom Buch regelrecht fasziniert: Der Religionswissenschaftler Ehrmann beschreibt auf sehr erhellende Weise, mit welch beeindruckender Sorgfalt die theologischen Fakultäten in Europa und in den USA seit 200 Jahren die Bibel und ihre Quellen bis aufs letzte zerpflücken und sich längst darüber einig sind, dass die heute vorliegenden Texte äußerst wechselvolle Bearbeitungen hinter sich haben. Die Religionswissenschaft – so Ehrmann – erhebt längst nicht mehr den Anspruch, dass sich die Geschichte so abgespielt hat, wie sie z.B. in den Evangelien beschrieben wird oder dass die Bibel wörtlich von Gott inspiriert sei.
Worüber sich Ehrmann selbst immer wieder wundert, beschreibt er in Passagen wie dieser auf S. 30f.:
"Eine der erstaunlichsten und irritierendsten Merkmale des gegenwärtigen Christentums ist die Tatsache, dass Universitätsabsolventen, die die historisch-kritische Methode erlernt haben, diese vollständig zu vergessen scheinen, wenn sie mit ihrer Arbeit als Pastoren und Pastorinnen beginnen ... Sie haben erkennen müssen, dass wir tatsächlich nicht sicher wissen, ob Mose je gelebt hat, und was Jesus tatsächlich sagte und tat ... Aus bestimmten Gründen sträuben sich Pastoren und Pastorinnen häufig dagegen, das weiterzugeben, was sie an der Hochschule über die Bibel gelernt haben."

28 Juni, 2011

Philipp Blom und böse Philosophen

"Böse Philosophen" ist der Titel eines Buches von Philipp Blom. Nach dem Lesen des Buches hat man das Gefühl, eine Reihe der Philosophen aus dem vorrevolutionären Paris wie Rousseau, Diderot, Hume, d'Holbach und andere persönlich kennen gelernt zu haben. Ein schönes Buch.

23 Juni, 2010

Amnesie und Konfabulationen

David J. Linden äußert sich in seinem Buch "Das Gehirn - ein Unfall der Natur" über Aspekte religiöser Ambitionen. In dem Zusammenhang beleuchtet er gewisse Hirnfunktionen:
Wenn man einen Patienten im Krankenhaus, der an schwerer anterograder Amnesie leidet, fragt: "Was haben Sie gestern getan?", hat er keine Erinnerungen an den Vortag, die er abrufen könnte. In vielen Fällen konstruiert der Patient dann aus bruchstückhaften früheren Erinnerungen eine kohärente und detaillierte Geschichte ... In fast allen Fällen glauben Amnesiepatienten an ihre eigenen Konfabulationen und verhalten sich, als ob diese wahr wären. Konfabulation bei anterograder Amnesie ist kein willkürlich kontrollierbarer Prozess. Vielmehr spiegelt dieser Vorgang das wider, was das Gehirn tut, wenn es mit einem Problem konfrontiert wird, das es nicht lösen kann: Es spinnt eine Geschichte aus irgendwelchen Erfahrungsbruchstücken, die es heraufbeschwören kann ...

Das klingt nach verblüffender Ähnlichkeit mit religiösen Erklärungsmustern: Für widersprüchliche und lückenhafte Sachverhalte konfabuliert das Gehirn einfach "Erklärungen" (auch mit Wundern, Göttern usw.), die die Lücken kitten, und am Schluss glaubt das Subjekt auch noch selber, was es da produziert hat.

20 Dezember, 2009

"Woran glaubt ein Atheist?" gelesen.

Verfasser ist André Comte-Sponville.
Passend zu Weihnachten ein sehr friedliches, freundliches Buch.
Wer selbst religiös fühlt oder vielleicht solchem Fühlen nahe zu stehen meint und sich einfach nur fragt, wie absurd Atheisten denken müssen, die keinen Zweck in der Welt sehen, der wird hier fündig. Sehr persönlich und sehr ehrlich erzählt der Autor von seinem Denken und Fühlen, vom Mysterium unserer Welt.

04 Januar, 2008

Schon der Klappentext verfälscht die Wahrheit

    Der Text auf der Rückseite des Buches "Der Atheismus-Wahn" (von Alister McGrath, Gerth Medien 2007) beginnt mit dem Satz: "Immer wieder stößt der Glaube an Gott in den Medien auf heftige Kritik". In diesen dreizehn Wörtern findet derBright schon drei fragwürdige Punkte:
    • Wie oft bitte ist "immer wieder"? Ist das so oft wie die tägliche Morgenandacht im Radio? Das Glockenläuten? Die sonntäglichen Gottesdienste in Funk und Fernsehen? Die Erscheinungsfrequenz religiöser Rubriken in Zeitungen und Zeitschriften?
    • Was bitte ist mit "den Medien" gemeint? Radio? Fernsehen? FAZ und Welt und Focus und Stern und Spiegel und Zeit?
    • Was bitte ist "heftige Kritik"? Ist das eine Forderung, Lästerung des Atheismus strafrechtlich zu verfolgen oder solche Strafverfolgung zu verschärfen? Ist das die Bekundung hochrangiger offizieller Würdenträger, wer in einer religiösen Familie aufwächst, ist geistiger Krüppel?
    Und der Genauigkeit halber: Wenn irgendwann doch irgendwo auch heftige Kritik geübt wurde, stand da wirklich genau der Glaube an Gott im Fokus, den ganz persönlich zu haben oder nicht zu haben ohnehin niemand verwehrt oder vorgehalten werden kann? Oder waren das evtl. eher Vorgänge mit einem Etikett "in Gottes Namen"?
    Wenn jemand meint, der Text zum Buch verfälsche die Wahrheit nicht, dann bittet derBright ganz herzlich, das im Kommentar zu belegen, nämlich
    • wann "immer wieder"
    • genau "der Glaube an Gott"
    • wo "in den Medien"
    • wie "heftige Kritik"
    erfuhr. Sollten sich solche Belege finden, wird derBright das hier im Text sehr gern korrigierend vermerken. Andernfalls stellen wir fest, dass es anscheinend nötig war, mit Unwahrheit für das Anliegen des Buches zu werben.

    04 Dezember, 2007

    Wie McGrath den Weihnachtsmann erledigt

      Als Antwort auf Dawkins' Weihnachtsmannvergleich fragt McGrath den Leser (S. 22): "Wie viele Menschen kennen Sie, die als Erwachsene angefangen haben, an den Weihnachtsmann zu glauben." (In: "Der Atheismus-Wahn" von Alister McGrath, Gerth Medien 2007.) Hier muss derBright ehrlicherweise antworten: "Keinen". Das Argument hat also gesessen.

      Hat es das? Wirklich? Oder könnte es auch ein faules Ei sein? Was muss McGrath ehrlicherweise seinerseits gelten lassen, damit die Bedingungen wirklich vergleichbar sind?
      Z.B.:
      • Wer dem Weihnachtsmann nicht huldigt, wird nach dem Tod auf ewig unsäglichste Höllenqualen leiden, wer ihn aber anbetet, kommt ins Paradies und weilt ewig da in schönsten Verhältnissen (falls er nicht auf eine Ente tritt).
      • Weihnachtsmannlästerung wird gesetzlich verfolgt; Politiker fordern härtere Strafen dafür.
      • Wer dem Weihnachtsmannpriester beichtet, dem werden sämtliche Sünden vergeben.
      • Die Rundfunksender huldigen täglich in der Morgenandacht dem Weihnachtsmann.
      • Der Staat finanziert den Universitäten eine weihnachtsmannkundliche Fakultät, an der Professoren die nächsten Generationen von Weihnachtsmannwissenschaftlern ausbilden.
      • Großkonzerne finanzieren Stiftungen, die sich mit der "Zukunftsperspektive" des Weihnachtsmannglaubens beschäftigen und Konzepte, Empfehlungen und Handlungsstrategien entwickeln.
      • Weihnachtsmannbischöfe erklären Mitbürger, die in weihnachtsmannungläubigen Familien aufgewachsen sind, zu geistigen Krüppeln.
      Ohne das hier explizit zu vervollständigen nehmen wir an, dass auch alle nicht aufgezählten Teile religiöser Infrastruktur wie schulischer Religionsunterricht, Kirchengebäude uswusf. total und ausschließlich auf die Weihnachtsmanngläubigkeit ausgerichtet sind. (Mit "alle" sind wirklich alle gemeint, also in Bayerns Klassenzimmern steht anstelle des Kruzifixes ganzjährig ein Weihnachtsbaum, auf US-Banknoten steht: "In Santa Claus we trust", im Vatikan sind Exorzisten angestellt, die Leuten, die den Weihnachtsmannglauben zu verlieren drohen, den Teufel austreiben sollen usw.)
      Außerdem setzen wir voraus, dass unter ausnahmslos allen Erwachsenen ein Glaube an Gott als Kinderei gilt und die Eltern das ihren Kindern im Vertrauen auch bestätigen, wenn sie das entsprechende Alter erreicht haben.
      Dazu gehört natürlich auch, dass McGrath aus unerschütterlicher, tiefster innerer Überzeugung mit all seiner akademischen Autorität als studierter Weihnachtsmannwissenschaftler ein Buch mit dem Titel "Der Antiweihnachtsmannwahn" veröffentlicht, in dem er Kritikern vorwirft, Fakten der Weihnachtsmannwissenschaft nicht präzise genug zu würdigen, auch auf das lächerliche Gottesargument eingeht und dazu auf S. 22 schreibt: "Als ich etwa fünf Jahre alt war, hörte ich auf, an die Existenz Gottes zu glauben (auch wenn ich dies meinen Eltern noch einige Zeit verschwieg, weil mir durchaus bewusst war, dass mir das Vorteile brachte)."

      So, und jetzt fragen wir noch mal: Wie viele Menschen werden unter diesen Bedingungen angesichts einer alles erdrückenden Weihnachtsmanngläubigkeitsmacht – oder einfach schon in gutem, schlichtem Vertrauen auf hochkarätige Autoritäten wie McGrath und Vatikan – als Erwachsene eher anfangen, an den Weihnachtsmann zu glauben, anstatt an einer eigenen kleinen Skepsis festzuhalten?

      27 November, 2007

      Religion geht gern auch "kontrafaktisch"

      Während er Dawkins ein ganzes Buch lang vorwirft, sich zu wenig an Fakten zu halten, schafft McGrath auf S. 80 die Glanzleistung, der Religion selbst einen absoluten Freibrief auszustellen: "Menschen können ... kontrafaktischen Glaubensaussagen ... zustimmen, weil jener kognitive Prozess, der mit ihrer individuellen Religion einhergeht, sich nicht auf derselben Ebene abspielt." (In: "Der Atheismus-Wahn" von Alister McGrath, Gerth Medien 2007.)
      Auf Klardeutsch also: "Meine individuelle Religion erlaubt mir, die Auswirkung unbequemer Fakten frech zu ignorieren; wenn Fakten nicht zu meinen Geschichten passen, habe ich eben ein 'Mysterium' – und erwarte dann von Dawkins, dass er brav die 'Fakten' meiner mysteriengestützten Religion würdigt."
      Wenn das kein Wahn ist, was dann?

      04 November, 2007

      Glauben gründlich auf die Spur gegangen

      ... ist Dieter Nuhr mit seinem Buch "Wer's glaubt, wird selig", meint ein Hobby-Rezensent bei Amazon. Jedenfalls hat sich bisher unter den dortigen Rezensenten noch keiner gefunden, der das Buch aus religiöser Sicht beanstandet. Also: Wer noch auf der Suche nach einem Geschenk ist, kann damit wohl nicht viel verkehrt machen. Leseprobe von S. 23 unten: "Ich habe in Differential- und Integralrechnung oft Lösungen gefunden, die ausschließlich auf starkem Glauben beruhten... Leider war unsere Mathematiklehrerin religionslos..."